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| Fasnachtslosi Neben der üblichen Fasnacht in dekorierten Wirtschaften, den Guggenmusiktreffen und Maskenbällen gibt es in Appenzell Ausserrhoden einen einzigen einheimischen Fasnachtsbrauch, den «Gidio Hosestoss». In Herisau seit der Mitte des 19. Jahrhunderts und seit ein paar Jahrzehnten auch in Waldstatt wird am Aschermittwoch zu Ehren einer lebensgrossen Strohpuppe, des an einem Leckerli erstickten Gidio, ein fröhlicher Kinderumzug veranstaltet. Hinter dem auf einem Leiterwagen aufgebahrten, schlecksüchtigen Verblichenen folgen die trauernden Hinterbliebenen, verkleidete Schulkinder mit riesigen Maskenköpfen, ebenfalls auf einem von Kindern gezogenen Wägeli. Sie heulen, dass Gott erbarm und wischen sich mit grossen Nastüchern die Augen und die gewaltigen Nasen. In einem langen Zug folgen dann Schulkinder aller Altersstufen in fasnächtlicher Verkleidung, als Prinzessinnen, Rotkäppchen, Indianerhäuptling, Clown oder Landstreicher. Früher, als man noch ausschliesslich auf Holz- oder Gasherden kochte, wurden die Kinder aufgefordert, zum Trauergeleit mit Pfannendeckeln zu erscheinen, um damit den gebührenden Krach zu veranstalten. Im Zeitalter der Elektro-Herde gehören solche Musikinstrumente nicht mehr zur allgemein üblichen Ausrüstung, sind aber immer noch willkommen. Am Schluss des Umzugs hält ein Oberstufenschüler als Gidio-Pfarrer eine Abdankungsrede, bei der er Ereignisse des Schuljahrs und die Dorfpolitik durch den Kakao zieht. Als Belohnung erhalten die Teilnehmer des Umzugs Leckerli, eine Art viereckige Lebkuchen. Am Sonntag nach Aschermittwoch, dem Funkensonntag, wird der Gidio in einem gewaltigen Funken verbrannt, ähnlich wie der Böögg am Zürcher Sechseläuten. Seit mehr als zweihundert Jahren gibt es vor allem in Herisau ein typisches Funkensonntagmenü: «Bacheschnette ond Epfelchüechli». Es sind Apfelrondellen und Leckerli, in einem Bierteig gewendet und schwimmend gebacken. Bestreut mit Zucker und Zimt schmeckt das herrlich. - In Zürich verwandeln Guggerklänge und Maskentreiben draussen auf den Plätzen und drinnen in den Gaststätten die Stadt in ein närrisches Tollhaus. Wie bringt nun das Haus Appenzell in Zürich die Appenzeller Fasnacht und die Guggen von Zürich zu einem fasnächtlichen Anlass zusammen? Der Appenzeller Künstler Töbi Tobler mit seinem Hackbrett und die Zürcher Steelband Agagilla produzieren ein fasnächtliches Erlebnis, auf das man gespannt sein darf. (Hans Hürlemann) |