„Überraschend anders"

Eine volksmusikalische Reise mit der Jodlerin Nadja Räss und der Kapelle „Alderbuebe"

Seit über 100 Jahren ist der Name „Alder" aus Urnäsch für gepflegte Appenzeller Musik ein Begriff. Die „Alder­buebe", die mittlerweile keine Buben mehr sind, gehören heute zu den berühmtesten Volksmusik-Ensembles der Schweiz. Viele erfolgreiche Auftritte im In- und Ausland sind Beweis für ihre Popularität. Sie spielen mit Können und Leidenschaft traditionelle oder neue Volksmusik und Eigenkompositionen. Aber auch fremdländische Klänge, wie argentinische Tangos und französische Akkordeon-Musettes, um nur zwei zu nennen, haben in ihrem Reper­toire Platz.
Im Haus Appenzell begleiten die „Alderbuebe" die 28jährige Jodlerin Nadja Räss, die im Jahr 2005 mit dem Nico­Kaufmann-Stipendium für junge Musiker ausgezeichnet wurde. Dadurch wurde ihr ermöglicht, ihre Forschungsar­beit zum Naturjodel zu intensivieren. Ihr Projekt „Stimmreise" hat die Auseinandersetzung mit dem Naturjodel aus heutiger Sicht zum Ziel.
Nadja Räss hat ein Gesangsstudium an der Musikhochschule Zürich hinter sich, gibt am Zürcher Konservatorium Kurse für Jodelinteressierte und arbeitet für das Lehrdiplom über Themen wie „Jodeln im Unterricht" und „Natur­jodel". Ihr neustes Angebot „Jodeln über Mittag" stösst auf grosses Interesse. Heute, da unzählige Kulturtechniken aus aller Welt besser bekannt und weiter verbreitet sind als die einheimische Volksmusik, kann auch diese als exo­tisch verstanden und befreiend erlebt werden. Nadja Räss begeistert auf ihrem Weg zurück zu den Wurzeln viele Leute und stellt die Volksmusik, zusammen mit den virtuosen „Alderbuebe" dabei in einen Rahmen, in dem sie neu erfahren werden kann.

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Fasnachtslosi

Neben der üblichen Fasnacht in dekorierten Wirtschaften, den Guggenmusiktreffen und Maskenbällen gibt es in Appenzell Ausserrhoden einen einzigen einheimischen Fasnachtsbrauch, den «Gidio Hosestoss». In Herisau seit der Mitte des 19. Jahrhunderts und seit ein paar Jahrzehnten auch in Waldstatt wird am Aschermittwoch zu Ehren einer lebensgrossen Strohpuppe, des an einem Leckerli erstickten Gidio, ein fröhlicher Kinderumzug veranstaltet. Hinter dem auf einem Leiterwagen aufgebahrten, schlecksüchtigen Verblichenen folgen die trauernden Hinterbliebenen, verkleidete Schulkinder mit riesigen Maskenköpfen, ebenfalls auf einem von Kindern gezogenen Wägeli. Sie heulen, dass Gott erbarm und wischen sich mit grossen Nastüchern die Augen und die gewaltigen Nasen. In einem langen Zug folgen dann Schulkinder aller Altersstufen in fasnächtlicher Verkleidung, als Prinzessinnen, Rotkäppchen, Indianerhäuptling, Clown oder Landstreicher. Früher, als man noch ausschliesslich auf Holz- oder Gasherden kochte, wurden die Kinder aufgefordert, zum Trauergeleit mit Pfannendeckeln zu erscheinen, um damit den gebührenden Krach zu veranstalten. Im Zeitalter der Elektro-Herde gehören solche Musikinstrumente nicht mehr zur allgemein üblichen Ausrüstung, sind aber immer noch willkommen. Am Schluss des Umzugs hält ein Oberstufenschüler als Gidio-Pfarrer eine Abdankungsrede, bei der er Ereignisse des Schuljahrs und die Dorfpolitik durch den Kakao zieht. Als Belohnung erhalten die Teilnehmer des Umzugs Leckerli, eine Art viereckige Lebkuchen. Am Sonntag nach Aschermittwoch, dem Funkensonntag, wird der Gidio in einem gewaltigen Funken verbrannt, ähnlich wie der Böögg am Zürcher Sechseläuten. Seit mehr als zweihundert Jahren gibt es vor allem in Herisau ein typisches Funkensonntagmenü: «Bacheschnette ond Epfelchüechli». Es sind Apfelrondellen und Leckerli, in einem Bierteig gewendet und schwimmend gebacken. Bestreut mit Zucker und Zimt schmeckt das herrlich. - In Zürich verwandeln Guggerklänge und Maskentreiben draussen auf den Plätzen und drinnen in den Gaststätten die Stadt in ein närrisches Tollhaus.

Wie bringt nun das Haus Appenzell in Zürich die Appenzeller Fasnacht und die Guggen von Zürich zu einem fasnächtlichen Anlass zusammen? Der Appenzeller Künstler Töbi Tobler mit seinem Hackbrett und die Zürcher Steelband Agagilla produzieren ein fasnächtliches Erlebnis, auf das man gespannt sein darf.

(Hans Hürlemann)

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